Freitag 9.7.10

Der diesjährige Gigathlon mit Zentralort Thun stand unter dem Motto „catch the sun“ und so sollte es auch kommen…

Schon am Freitagvormittag gings los in Richtung Langnau im Emmental, wo das Bike und das Rennvelo in der Wechselzone deponiert werden mussten. Die unzähligen Fahrräder der Gigathleten übernachteten in leer stehenden Militärhallen. Das sah ein bisschen aus wie bei einer Viehschau, einfach mit Bikes und Rennvelos, und weil ich Angst hatte, dass während der Nacht jemand diesem verlockenden Angebot nicht widerstehen könnte, fragte ich einen Helfer, ob das denn auch bewacht werde. „Ja, hier wird abgeschlossen während der Nacht!“, meinte er, und weil abgeschlossen noch lange nicht bewacht bedeutet, zückte ich zur Sicherheit doch noch das Fahrradschloss, damit ich beruhigt schlafen konnte, sofern ich denn überhaupt schlafen konnte…
Schliesslich fuhren wir nach Thun zum Check-in, wo die letzten notwendigen Dinge, wie z.B. Startnummern, Zeitmesschip, etc. abgeholt werden musste. Mit dem Eintreffen in Thun stieg neben der Nervosität auch die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer, welches ich in diesem Jahr in der Singlekategorie versuchen wollte



Samstag 10.7.10

Nach einer kurzen und heissen Nacht war bereits um 2:15 Tagwache. Morgenessen, Flaschen füllen, Verpflegung und Material vorbereiten war angesagt, bevor es dann endlich zum Start ging:

Inline 39 Kilometer, 320 Höhenmeter

Um 5 Uhr erfolgte der Startschuss für die Single- und Couplegigathleten in Form des Gigathlonliedes „vivere“. Ich ging das Rennen gemütlich an, versuchte in der Fläche ein zügiges Tempo zu rollen und in den zahlreichen Aufstiegen nicht zu viel Kraft zu verbrauchen. Nach etwa der Hälfte der Strecke konnte ich mich einer Gruppe anschliessen, wir wechselten uns mit der Führungsarbeit ab und konnten so gegenseitig vom Windschatten profitieren. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald erreichten wir die erste Wechselzone im Emmental: Material wechseln, umziehen, etwas essen und trinken und schon ging es weiter mit

Mountainbike 46 km 1300 hm

Mittlerweile erreichten die ersten Sonnenstrahlen die Hügellandschaft des Emmentals und mir stand meine Lieblingsdisziplin bevor, was gibt es Schöneres : ). Trotzdem durfte ich nicht zu sehr aufs Tempo drücken, denn es lag noch ein weiter Weg vor mir. Die Strecke war zwar technisch nicht anspruchsvoll, aber landschaftlich sehr schön. Ich kam zügig vorwärts und machte einige Ränge gut, bevor ich den Wechsel aufs Rennvelo vornehmen konnte.

Rennvelo Teil 1 64 km 1280 hm

Der Anfangsteil der Rennvelostrecke war relativ flach und es war wichtig, nicht alleine zu fahren, um nicht zu viel Kraft zu verbrauchen. Ich fand in einer 6er Gruppe Unterschlupf und gemeinsam erreichten wir die Verpflegungsstation in Sörenberg. Kurve um Kurve führte die Strecke anschliessend hinauf in Richtung Glaubenbielenpass. Die Mittagshitze machte sich langsam bemerkbar, doch bei mir war immer noch alles im dunkelgrünen Bereich. Kurz vor der Passhöhe verklemmte leider noch meine Kette, und während nette Zuschauer das Ganze wieder in Ordnung brachten, hatte ich Zeit, um die Bergwelt zu bestaunen.
Nun ging es kurvenreich bergab und nach einem Gegenanstieg erreichte ich die Wechselzone am Lungernsee als 4te Singlefrau. Ich nahm mir kurz Zeit, mich über die gute Platzierung nach den ersten drei Disziplinen zu freuen, denn ich wusste natürlich, dass dies nicht von langer Dauer sein würde, denn weiter ging es mit

Schwimmen 3 km 0 hm : )

Nach einer kurzen Trink- und Toilettenpause zwängte ich mich in meinen (eigentlich nicht meiner, nur gemietet) Neoprenanzug, was gar nicht so einfach war, weil der Schweiss am ganzen Körper klebte. Irgendwann schaffte ich es dann trotzdem und stürzte mich in die Fluten. Ich war zwar noch nie zuvor 3km geschwommen, aber es ging tiptop, denn ich versuchte immer ans Positive zu denken: Abkühlung!

Rennvelo Teil 2 37km 400hm

Raus aus dem Wasser, raus aus dem Neopren, rein in die Velorüstung und vom Armzug-Beinschlag wieder in den Tretmodus umschalten. Nur noch der Brünigpass war zu überwinden, bevor es dann ziemlich flach mit Vollgas in Richtung Wechselzone Interlaken ging.

Laufen 31km 960 hm

Am Himmel zogen schwarze Gewitterwolken auf und als ich in Interlaken losjoggte, begann es auch schon zu regnen. Ich war mittlerweile bereits 10h unterwegs und hatte eigentlich mit einem 31km Walking-Trip gerechnet, umso zufriedener war ich, als ich merkte, dass ich noch joggen konnte (wenn auch nur langsam…). Mit den unzähligen Aufstiegen auf dem Pilgerweg konnte ich mich jedoch nicht anfreunden, da ich doch schon ein bisschen müde war.
Zum Glück gab es bald Action: Es begann wie wild zu stürmen und zu hageln, die Trails wurden zu Bächen und links und rechts hörte man das Knacken von herunterstürzenden Ästen. Mit ein paar Weggefährten drückte ich mich an eine Felswand, um ein bisschen Schutz zu finden. Ein wenig später erreichte ich einen Verpflegungsposten, wo ich unter einem Vordach unterstehen konnte. Ein paar Stunden später hatte auch diese Survivaltour ein Ende und ich lief in Thun durch den Zielbogen, nach 14h 37min 29s als zehnte Singlefrau, juhui!

Nun musste ich alles Material für denn Sonntag vorbereiten und mich auch im Kopf darauf einstellen, denn bisher hatte ich mich noch nicht mit dem Sonntag befasst, weil ich nicht so wirklich glaubte, dass ich dann noch im Rennen bin.
Der Samstag hatte auch bereits sein Spuren hinterlassen, ich war ziemlich “überdreht“ und mein Magen spielte verrückt. So war leider nicht an Schlaf zu denken. Aber glücklicherweise ging es ja nicht mehr lange bis zum nächsten Start.


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Sonntag 11.7.10

Schwimmen 3 km 0 hm

Heute war schwimmen im Thunersee angesagt. Ich reihte mich hinten ein, damit mir das Gedränge und die Fusstritte in den Kopf erspart bleiben würden. Das Wasser war unruhig und es spülte mir ständig Hölzer und Äste an den Kopf. Obwohl es wieder einigermassen gut lief, war ich froh, als ich die Wechselzone erreichte und aus dem Neoprenanzug raus konnte.

Inline 29 km 280 hm

Immer noch ein bisschen im Schwimmmodus nahm ich die Inlinestrecke in Angriff. Bald merkte ich, dass ich gute Beine hatte und ziemlich zügig vorwärts kam. Die Strecke war ziemlich kurzweilig: ein ständiges Auf und ab, mit vielen Kurven und einer Laufpassage auf der Panzerpiste, bevor dann das Ziel, bzw. die Wechselzone erreicht war.

Rennvelo 128 km 1900 hm

Die Rennvelostrecke verlief auf hügeligem Weg in Richtung Fribourg. Zu Beginn lief bei mir alles gewohnt problemlos, bis mir dann irgendwo vor Bulle plötzlich Atemprobleme zu schaffen machten. Ich musste wohl Kurven gefahren sein, wo keine waren, denn plötzlich war das Medicalfahrzeug neben mir und man fragte mich, ob ich ein Problem hätte. So ganz problemlos liefs gerade wirklich nicht und ich bekam Meersalzlösung für die Nase, damit sich wenigstens die Nase öffnete und ich das „Hilfeicherstickefühl“ loswurde.
Später ging es dann wieder ein bisschen besser und ich konnte zügig fahren bis zur Verpflegung in Broc. Von nun an ging es bergauf und der Aufstieg zum Jaunpass wollte nicht enden. Für mich war der Anstieg eine einzige Krise und ich bekam Krämpfe im Gesicht und in den Armen. Ich hatte mir das Gigathlonmotto „catch the sun“ wohl zu sehr zu Herzen genommen und ein bisschen zu viel sun gecatcht…
Auf dem Jaunpass wusste ich, dass ich die letzten 2 Disziplinen in diesem Zustand vergessen konnte, obwohl dies meinem Kopf natürlich überhaupt nicht passte.
Kurz vor 16 Uhr war dann wirklich Schluss für mich, ich gab das Rennen ziemlich erschöpft in Zweisimmen auf.
Aber damit das jetzt nicht so negativ tönt noch ein positives Fazit:
Es war ein mega Erlebnis, sehr viel ist problemlos und super gelaufen, und ich habe vieles richtig gemacht. Es war spannend, Single-Luft zu schnuppern und der nächste Gigathlon kommt bestimmt…


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3 weeks to go!

In nur mehr 3 Wochen ist es so weit, es heisst: auf in den Kampf, auf ins Vergnügen, auf ins Abenteuer, aber auch ein bisschen auf ins Ungewisse. Ich freue mich ungeheuer und hoffe, dass mich die 452km und 7940 hm auf dem Bike, Rennvelo, auf den Inlines, in den Laufschuhen und im Neopren um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher machen werden.


Zur Vorbereitung werde ich noch ein paar Bikerennen bestreiten und weiterhin fleissig und vielseitig trainieren. Meine beiden personal coaches, Herr Wetter und Frau Arbeit, helfen mir bei der Trainingsplanung und sind stets bemüht, meinen Eifer ab und zu ein wenig zu stoppen, damit ich mein Pulver nicht schon vor dem Gigathlon verschossen habe.